Familienzentrum Kita Einfeld fördert die Plattdeutsche Sprache

Da ist man richtig "platt" und baff, wenn man hört, dass das Projekt "Plattdeutsch lernen in der Kita" große Früchte getragen hat. Familienzentrum Kita Einfeld kann sich seit Juni 2012 mit dem "Emmi för Plattdüütsch in Sleswig-Holsteen"  rühmen. Am 19. Juni 2012 war im Landeshaus in Kiel die offizielle Auszeichnung und Verleihung, die Viola Seifert stellvertretend in Empfang nahm. Die "Emmi" ist eine Auszeichnung für die Förderung des Plattdeutschen im Alltag. Sie wird gemeinsam vom Präsidenten des Schleswig-Holsteinischen Landtages, der Ministerin für Bildung und Wissenschaft des Landes Schleswig-Holstein sowie der Präsidentin des Schleswig-Holsteinischen Heimatbundes vergeben.

In der Zusammenarbeit zwischen Familienzentrum Kita Einfeld und der Plattdeutschen Gilde entstand Jahr 2009 die Idee, die plattdeutsche Sprache in die Kindertagesstätte zu tragen. Durch die Einladung in den Landtag und die dort so anschaulich vorgetragene Arbeit im Land zum Thema "Plattdüütsch" reifte innerhalb kürzester Zeit der Plan. Am 04.09.2009 wurde die Initialveranstaltung durchgeführt und "Platt in der Kita Einfeld" war das Thema, das vom Familienzentrum Kita Einfeld gewählt worden war, um einen kurzweiligen Abend mit einem bunten Programm im Stadtteil zu bieten. Sabine Beckmann-Gibbisch, Koordinatorin im Familienzentrum und Iris Bendzuk, Diakonin und Mitglied der Startergruppe, führten sicher durch ein vielfältiges Programm. Die Einfelder Speeldeel präsentierte einige Sketche in plattdeutscher Sprache und unterstützte die Zuschauer kräftig beim Singen der plattdeutschen Lieder.

Zur Einführung des Gesamtprojektes berichtete Herr Ingwer Oldsen vom Plattdeutschen Zentrum in Leck über "Frühe Mehrsprachigkeit" am 02.11.2010 bei einem Elternabend. Mit Gerda Reger und Angela Kundikow fand man in der Kita zwei Mitarbeiterinnen, die die niederdeutsche Sprache beherrschten. Dieses wurde perfekt genutzt, um den Kindern in der Kindertagestätte Niederdeutsch als zweite Sprache anzubieten. Methodisch sprachen bzw. sprechen die "Platt-Lehrerinnen" immer plattdeutsch, so dass die Kinder nach der Emissionsmethode die Sprache kennen lernten bzw. lernen. Dadurch werden zwei Ziele verfolgt. Zum einen bleibt die vom Aussterben bedrohte plattdeutsche Sprache erhalten und zum anderen erleben die Kinder Zweisprachigkeit und profitieren von dem erweiterten Angebot.

In allen Gruppen, aber besonders bei den "Buntstiften" lernen die Kinder spielend an den Jahreszeiten orientiert Lieder, Verse und Fingerspiele in Plattdeutsch. Und das mit großem Erfolg, wie Gerda Reger in 2011 in einem Zeitungsinterview berichtete, kurz bevor sie in "Rente" ging. Egal, ob sie mit den Kleinen, anderen Erziehern oder mit den Eltern redete, immer wurde (und wird) Platt „gesnackt“. So ist es nach ihrer Aussage erstaunlich, dass die Kinder in der Anfangsphase auch nach den Ferien nichts verlernt hatten. Die "Platt-Muttersprachlerin" war zusammen mit Viola Seifert für das Niederdeutsche in der Gruppe für Ein- bis Vierjährige zuständig. Besondere Hilfe und Unterstützung für die sehr engagierte Viola Seifert kommt dabei auch von "Oma Platt" und "Lütt Uli" sowie von Angela Kundikow in der Nachmittagsbetreuung.

Platt als Umgangssprache folgt in der Kita, wie schon erwähnt, der Methode des kontinuierlichen Lernens. So erlernen Kinder sehr effektiv eine Zweitsprache, weil die Kleinen merken, dass die Sprache nicht aufgesetzt ist, sondern lebt. "Es sind nicht nur die Vokabeln, auch der Sprachklang und die Emotionen schwingen mit“, so wie die Kita-Leiterin Annemarie Hillbrand unterstreicht. Die Kita Einfeld sei die einzige in der Stadt, die "Platt" nach dieser Methode anbiete, betont Annemarie Hillbrand und es sei ein kleiner Beitrag, das Aussterben des Plattdeutschen zu verhindern.

Quellen: (1.) Stadt Neumünster unter www.neumuenster.de - News Archiv (2.) Holsteinischer Courier vom 23.08.2011 - Artikel "Plattdeutsch lernen in der Kita" von T. Post (3.) Schleswig-Holsteinischer Landtag - Referat für Europaangelegenheiten, Ostseekooperation und Minderheitenfragen - Düsternbrooker Weg 70 in 24105 Kiel (4.) "Emmi-Verleihung" HC und KN vom 20.06.2012

Das Schild an der Eingangstür in der Einfelder Kita am Marktplatz weist auf die Plattdeutsche Sprache hin.


Viola Seifert und "Oma Platt" spielen eine große Rolle bei der Förderung der Plattdeutschen Sprache.


Angela Kundikow und Gerda Reger verweisen auf viele verfügbare und geeignete Lesebücher hin.


"Lütt Uli" unterstützt Viola Seifert und "Oma Platt" bei der Ausbildung der Kleinkinder in der Kita.


Die beliebte Lesestunde nach dem Motto "Hör mal beten to" in der Einfelder Kita im Bollbrück.