Die Entwicklung Einfelds im und nach dem 2. Weltkrieg

Zur Entwicklung der Gemeinde Einfeld ab 1939 wird Realschullehrer Helmut Rösler zitiert. Dieser Bericht wurde veröffentlicht im "Mitteilungsblatt Nr. 17 anno 1969 für die Gemeinde Einfeld" und wird hier in Auszügen wiedergegeben.

Einfelds Weg vom Bauerndorf zur Großgemeinde begann mit der Wiederaufrüstung vor dem letzten Kriege. Seine verkehrsgünstige Lage an der Bundesstraße 4 und der Bahnstrecke Neumünster - Kiel war der Anknüpfungspunkt dazu. Man erkannte damals die Gefahren und Mängel einer übertriebenen Schwerpunktbildung bei Industrie, Rüstung und Schiffbau in Kiel und Verlegte zumindest Teile davon in die alte Tuch- und Lederstadt Neumünster, die nun für noch mehr Einfelder Arbeitsstätte wurde. Aber auch die Ballung der Arbeitskräfte wollte man auflockern und faßte den Plan, sie aus luftschutztechnischen und gesundheitlichen Gründen aus Kiel auszusiedeln. Sie mußten aber in großer Zahl schnellt sicher, billig und vor allem auf mehreren Wegen ihre Arbeitsplätze erreichen können. Wegen seiner Lage an Straße und Bahn in der Nähe Kiels wurde neben einigen anderen Gemeinden auch Einfeld für die Ansiedlung von jeweils 320 bis 340 Rüstungsarbeiterfamilien mit mindestens vier Kindern vorgesehen. Das bedeutete für diese Orte einen Bevölkerungszuwachs von rund 2000 Personen. Für Einfeld hieß daß: mehr als Verdoppelung der damaligen Einwohnerzahl (1500)!

Ein neues Einfeld entstand neben dem alten: die Finnenhaussiedlung „Neue Heimat“. In einigen Dingen war sie dem übrigen Dorf weit voraus. Sie hatte Wasserleitung und Kanalisation! Der Aufbau fiel schon in den Anfang und in die Mitte des Krieges. Neben den kinderreichen Rüstungsarbeitern kamen in zunehmen der Zahl Ausgebombte und Evakuierte. Sie strebten, da die Straßen Wegen des Treibstoff- und Reifenmangels an Verkehrsbedeutung verloren hatten, vorwiegend in die Orte entlang den Bahnlinien. In steilem Anstieg kletterte die Einwohnerzahl unserer Gemeinde am Kriegsende nach oben und überschritt 4000.

Immer glaubte man, das Maß sei übervoll. Aber eine fast ebenso starke Zunahme erfährt sie allein in den letzten Kriegswochen und nach der Kapitulation. Da ergießt sich mit dem Zusammenbruch der Ostfront und in Auswirkung der Konferenzen von Jalta und Potsdam die Flutwelle der Flüchtlinge über Schleswig-Holstein und erhöht seine Einwohnerzahl auf das Doppelte. Einfeld, das durch die Kieler schon auf über 4000 Einwohner gewachsen war, Vermochte nicht noch einmal diese Zahl aufzunehmen. Dennoch waren es über 1500 Menschen aus dem Osten, die Schub auf Schub nach Einfeld einströmten. Unter den 16 Orten des Landes, deren Bevölkerung gegenüber 1939 um mehr als 200 % gestiegen war, stand es mit 279 % an dritter Stelle!

Die Ballung einer vorwiegend untätigen Bevölkerung in den ländlichen Gemeinden Schleswig-Holsteins war Anlaß ernsthafter Sorgen und Gedanken. Die Hoffnung Tausender, daß es nur ein vorübergehender Zustand sei, trog, und dennoch konnte es unmöglich ein dauernder bleiben. Durch staatliche Lenkung und mehr noch durch eigenes Bemühen setzte nach 1950 ein Ausgleich zwischen dem überlasteten Schleswig-Holstein und den weniger dicht belegten Ländern ein. Außerdem begann mit der Errichtung von Behelfsheimen und dem allmählich anlaufenden Wohnungsbau in den Städten eine Rückwanderung vieler Ausgebombter. Die Bevölkerung vieler Dörfer schrumpfte Wieder auf ein erträgliches Maß zusammen. Doch bei dem verkehrsgünstig gelegenen stadtnahen Einfeld zeigte sich keine Erleichterung. Der zahlenmäßig geringe Abzug von Evakuierten und Umsiedlern wurde sogar durch neuen Zuzug aufgehoben, der die Einwohnerzahl erneut ansteigen ließ.

Die Wohnungsnot war unbeschreiblich groß. Aber mit um so größerer Tatkraft suchten und fanden die führenden Männer der Gemeinde Mittel und Wege zu ihrer Linderung. Es wurde in Einfeld sehr viel gebaut. Den neuen Wohnraum jedoch bezogen nicht ausschließlich Einfelder, sondern durch die Familienzusammenführung, durch die Aufnahme Verwandter nach der Zuteilung einer Wohnung kamen noch mehr Menschen nach Einfeld. Und schließlich war, es das zu günstigen Bedingungen an Private und an die Baugesellschaften zur Verfügung gestellte billige Baugelände in der Nähe des Verkehrsknotens Neumünster, das Menschen aus ganz Schleswig-Holstein und darüber hinaus hier ansässig werden ließ. Die auch schon früher stufenweise erfolgte, Bevölkerungsentwicklung Einfelds spiegelt sich in seinem Ortsbild wieder. Bis zum Krieg bestand es aus vier nur locker zusammenhängenden Teilen: dem bäuerlichen Altdorf an der Dorfbucht und auf dem Sanderrand südlich des Sees, dem "bürgerlichen" Bahnhofsviertel, der Häuserzeile entlang der Straße nach Neumünster, vorwiegend die Heime der in der Leder- und Tuchindustrie Neumünsters Beschäftigten, und dem "Villenviertel" am Südostende des Sees. Während des Krieges entstand nun als fast selbständiger Teil die Finnenhaussiedlung, in den ersten Jahren nach dem Kriege die Gruppe der Häuserblöcke im östlichen Teil der Hans-Böckler-Allee und die Einfamilien-Doppelhäuser der Weidestraße und am Kreuzkamp. Zwischen allen Teilen befanden sich noch unbebaute Lücken und gaben dem Ort ein zerrissenes und in seinen Teilen sehr unterschiedliches Bild. 

Doch die Zwischenräume verengten sich, und bald kam der Zeitpunkt, wo jeder Neubau sorgfältig zu prüfen war, damit das Zusammentreffen der einzelnen Siedlungsteile mit ihren verschiedenen Charakteren nicht unharmonisch geschah. Die Gemeindeväter sahen diese Aufgabe und scheuten nicht die Ausgaben für eine durchdachte Planung. Besondere Aufmerksamkeit schenkten sie dem "Ortskern". Der Raum Dorf-, Bahnhof- und Neue Straße wandelte sein Gesicht. Aus einem reinen Wohngebiet wurde ein Mischgebiet, das die Aufgaben eines Ortskernes übernahm, Im Laufe der Jahre wurden hier in neue oder erneuerte Gebäude aus ihren im ganzen Ort verstreuten Behelfsunterkünften die Gemeindeverwaltung, die Ortspolizei, die Post und die Gemeindebücherei verlegt. Hier entstanden eine neue Volks- und die Realschule und der Kindergarten. Aus einer Kapelle wurde eine Kirche. In diesen Straßen konzentrierten sich die Geschäfte und die Sparkassen. Der weiteren räumlichen Ausweitung des Ortes stellten sich aber auch Hürden. Im Norden ist es der See. Im Osten ist es der Schienenstrang der Bahn. Er bildet für den Ortsteil Hamburger Chaussee und das östliche. Industriegelände eine starke Abschnürung von den übrigen Gebieten mit nur je einem Übergang an den Ortsenden. Also bleiben für die Ausdehnung der Bebauungsgebiete nur der Süden und der Westen. Hierbei zeigt sich nun besonders deutlich, daß die Nachbarschaft im Süden einen starken Sog ausübt. Das Ergebnis ist eine Nord-Süd-Länge des bebauten Gebietes von 4,15 km gegenüber einer Ost-West-Erstreckung von nur 0,9 km. Die jüngsten Ortsteile, deren Häuser man ansieht, daß sie erst in der Zeit der Wirtschaftlichen Blüte der Bundesrepublik entstanden, haben an diesem ungünstigen Flächenverhältnis nichts verändert. Die Verbreiterung durch das Wohngebiet um den Ernst-Reuter-Platz (Berliner Straße, Danziger Straße, Professor-Graf-Straße) wurde im Süden aufgewogen durch die Bebauung des Gebietes um den Schlesier Weg. Und daran wird auch die künftige Erschließung der Westseite des Roschdohler Weges und die Auffüllung der Lücken an seiner Ostseite nichts ändern, eher noch verstärken. Leider rückt damit der kulturelle und wirtschaftliche Schwerpunkt mit den Schulen, den Behörden, den großen Geschäften und Banken und mit dem Bahnhof mehr und mehr an das eine Ortsende. Das wiederum verstärkt, die Anziehungskraft Neumünsters auf die Bewohner der südlichen Gebiete, ganz zu schweigen von den in unseren Zahlen wohl enthaltenen, aber vom eigentlichen Einfeld räumlich völlig getrennten Bewohnern des Ortsteiles Stover!

Die Auswertung der Einwohnerzahlen der letzten zehn Jahre ergibt für ganz Schleswig-Holstein eine Bevölkerungszunahme von 0,38 %, in Einfeld aber sind es 2,3 %. Daraus errechnet sich, daß Einfeld in zehn Jahren etwa 9300 Einwohner zählen wird. Die steigende Bevölkerungszahl belebt natürlich auch die Wirtschaft des Ortes, woraus vor allem zunächst der Kleinhandel und die Handwerker Gewinn zogen. Die Zunahme solcher Betriebe von 29 im Jahre 1935 auf etwa 100 in den ersten Nachkriegsjahren und 250 heute entlockt aber den Gemeindevätern nur eine halbe Freude. Anstelle einer zunehmenden Betriebszahl erstreben und fördern sie eine Erhöhung der Betriebskapazität der vorhandenen Unternehmen und die Neuansiedlung größerer Betriebe. Dank der verkehrsgünstigen Lage an der B 4 zwischen den großen Städten Kiel und Neumünster und dem Angebot billiger Grundstücke gelingt das. So füllt sich das Industriegelände an der Ostseite des Ortes, das sich ja als Wohngebiet empfiehlt. Trotz dieses wirtschaftlichen Aufschwunges wird aber auch weiterhin für die meisten Arbeitnehmer Einfeld nur Wohnort sein, während sie als Pendler zu Ihren Arbeitsstätten fahren, die sie dank der günstigen Verkehrsverbindungen gut erreichen können. Dabei stehen den 1440 Auspendlern (1070 nach Neumünster, 180 nach Kiel, 190 nach sonstigen Orten) 460 Einpendler gegenüber (davon 230 allein aus Neumünster).

Dieser erfreulichen Entwicklung der Gemeinde drohte vor zehn Jahren (1959) ein herber Einschnitt, als die zuständige Behörde meldete, keine Bauvorhaben mehr zu genehmigen, wenn nicht eine zentrale Abwasserbeseitigung geschaffen werde. Das schien in erster Linie ein schier erdrückendes finanzielles Problem. Der ursprüngliche Kostenanschlag von mehr als drei Millionen überschritt dann vier Millionen DM. Von 1961 an forderten die Kanalisation und zugleich mit ihr die Erweiterung des Wasserwerkes und des Wasserleitungsnetzes (22,5 km) große Posten in den Haushaltsplänen der Gemeinde. Aber Jahr um Jahr kam man einen Schritt weiter, und nun ist das Netz nahezu vollendet und auch der künftigen Belastung gewachsen. Die Abwässer werden durch das Klärwerk am Kreuzkamp biologisch aufbereitet und in den Aalbek (Abfluß des Einfeider Sees) geleitet. Trotz dieser großen Ausgaben und der nicht viel weniger drückenden für die Unterhaltung der Schulen, des Kindergartens, des Straßennetzes und für die Unterstützung des Wohnungsbaues hatte die Gemeinde auch ein Ohr für Dinge, die das Auge erfreuen! Gemeint ist die Pflege und Verschönerung des Ortsbildes durch gärtnerische Anlagen und Grünflächen. Der aufmerksame Beobachter spürt die planende Gestaltung, wenn er bei einem Spaziergang diese schönen Punkte wie Kettenglieder aneinanderreihen kann, beginnend am südlichen Seeufer, entlang der Grünflächen vor den Schulen zu der blumenreichen Anlage mit Springbrunnen am Ernst-Reuter-Platz, weiter zum Sportplatz und dem Gelände am Wasserwerk, durch die Kleingartenallee Und dann auslaufend in dem Gebiet der "Eigenheime im Grünen". Als Abschluß dieser grünen Kette und als Gegenpol zu den Anlagen am See soll nach dem Flächennutzungsplan hier im Süden ein Waldgelände entstehen. Man will damit gleichzeitig der Zersiedelung dieses Raumes Einhalt gebieten, indem man die noch freien Flächen beim Krückenkrug und bei der Christiansiedlung und des südlich davon gelegenen Wassergewinnungsgeländes der Stadt Neumünster aufforstet. Dadurch entstünde ein Naherholungsgebiet für die benachbarten Ortsteile. So wie bisher das geographische Wachstum Einfeld weitgehend bestimmt wurde durch die Lage an der Bundesstraße und an der Bahn, kann in naher Zukunft die noch auf Einfelder Gebiet den Ort im Westen umgehende Autobahn seine weitere Entwicklung gleich stark beeinflussen Und zu der erstrebten Ausweitung in Ost-West-Richtung führen. Diese Gelegenheit zu nutzen, wird künftig eine wichtige Aufgabe der Einfelder sein.