Einfelds Vorgeschichte

Im ersten nachchristlichen Jahrhundert erwähnte der Geograph Ptolemaeus in Alexandria um das Jahr 150 herum in seiner Erdbeschreibung einen Volksstamm, der nördlich der Elbe bis an die "Landenge der cimbrischen Halbinsel" wohne: die Saxones bzw. die Sachsen. (3) Sie siedelten noch tausend Jahre später in Nordelbien. Auch in unserer Gegend lebten in der römischen Kaiserzeit Menschen aus dem Stamme der Sachsen. Deutliche Spuren hinterließen sie in großen Urnenfriedhöfen bei Schmalstede und am Brautberg bei Bordesholm. (4) Doch um 450/500 bricht die Belegung dieser und anderer Friedhöfe im Lande plötzlich ab. 

Große Teile - besonders im Osten Holsteins - wurden infolge der Völkerwanderung und dem damit verbundenen Abzug der Jüten, Angeln und Sachsen in das heutige England siedlungsarm und siedlungsleer. Auch der Raum um Bordesholm wurde (nahezu) menschenleer. (5) Das einst bebaute Ackerland wurde wüst und bezog sich im Laufe weniger Jahrzehnte mit einem undurchdringlichen Wald, der später als "Isarnho", d. h. Eiserner Wald, in die Geschichte eingehen sollte. (6) Bald nach dem Preisgeben Ostholsteins als germanischem Siedlungsboden wanderten slawische Stämme - die Wagrier und Polaben, beide waren Teile des größeren Abotriten- bzw. Obotritenstammes - ein und nahmen das weitgehend herrenlose Land östlich der Linie Kiel - Lauenburg in Besitz. Nördlich der Elbe siedelten Sachsen nur noch im (heutigen) West- und Mittelholstein, und zwar in ihren drei Gauen Dithmarschen, Stormarn und Holstein. (7) Der Holstengau erstreckte sich etwa über die Geestgebiete des jetzigen Kreises Steinburg und des Altkreises Rendsburg. 

Zwischen den Sachsen und den Slawen befand sich eine Pufferzone, die aus ausgedehnten Wäldern und nur schwer passierbaren, feuchten Niederungsgebieten bestand. Dieser trennende Bereich wurde auch als Limes saxoniae, als Sachsengrenze bezeichnet und bald nach dem Jahre 800 als "offizielle" Grenze zwischen beiden Völkern festgelegt. Die Gegend zwischen Neumünster und Kiel befand sich im westlichen Vorfeld des Limes, der vom Flusslauf der (alten) Schwentine gebildet wurde. Die Dörfer, aus denen das heutige Amt Bordesholm-Land besteht, gab es mit einer möglichen Ausnahme um das Jahr 1000 also noch gar nicht. Bei der Ausnahme handelt es sich um Loop, das ähnlich wie sein Nachbardorf Dätgen schon um 850/900 angelegt worden sein könnte. (8) Verschiedene Indizien, u. a. die Flurform und der Ortsname, deuten auf diese frühe Zeit hin. Doch ganz sicher ist diese Zeitbestimmung nicht. Eine Gründung Loops nach 1000 ist ebenfalls denkbar.

Das Verhältnis zwischen den Slawen und den Sachsen nördlich der Elbe war stets gespannt, (9) bis schließlich die ostholsteinischen Wagrier und Polaben kurz vor 1140 in einem letzten Feldzug endgültig bezwungen wurden. Die unterlegenen Slawen wurden nicht ausgerottet, sondern sie verblieben entweder an ihren alten Wohnstätten, wurden umgesiedelt oder gingen in ein wie auch immer geartetes Deutschtum auf. Große Teile des ostholsteinischen Slawenlandes wurden ab 1143 mit Neusiedlern aus dem Nordwesten des Deutschen Reiches (Flandern, Holland, Friesland und Westfalen) kolonisiert. 

Aber auch das Gebiet zwischen Kiel und Neumünster gehörte um 1140 weder zum slawischen noch zum sächsischen Siedlungsboden. Es wurde vom Wald befreit und auf den gerodeten Flächen entstanden neue Dörfer. Typisch für derartige Neusiedlungen sind die auf landschaftliche Gegebenheiten hinweisenden Ortsnamen: Blumenthal, Flintbek (Bach mit Flintsteinen), Buchwald, Schönbek, Rumohr (rauhes, unwirtliches Moor) oder Bissee (vielleicht mit Binsen umsäumter See). Manche Dörfer wurden nach ihren Gründern benannt. Dazu gehören z. B. das untergegangene Lüdersdorf nördlich von Brügge (Lüder [niederdeutsch] = Lothar [hochdeutsch]), Techelsdorf oder Mielkendorf. Bei diesen Namensträgern (Techl bzw. Miliko) könnte es sich um slawische Ortsgründer gehandelt haben, denn beide Personen trugen slawische Vornamen. (10) 

Nicht alle Dörfer des späteren Klosters und Amtes Bordesholm sind in den Jahrzehnten nach 1143 gegründet worden. Einige bestanden schon vorher. Dazu gehörten neben dem schon erwähnten Dätgen und Loop mit Sicherheit Großharrie und das untergegangene Stover zwischen Einfeld und Neumünster, da beide schon in einer Urkunde aus dem Jahre 1141 genannt werden. Auch Eiderstede (1148 erwähnt) wird es vor dem Beginn der deutschen Ostsiedlung schon gegeben haben. Ebenfalls ist nicht auszuschließen, dass Schmalstede und Böhnhusen zu den vorkolonisatorischen Dörfern gehören, denn ihre Grundwörter "stede" und "husen" deuten auf ein höheres Alter hin. Beide Namensbestandteile wurden in der Kolonisationszeit nämlich nicht mehr bei neuen Ortsnamenschöpfungen benutzt und müssen demnach älter sein. Um 1200 wurde das Dorf Einfeld des aus dem Kloster hervorgegangenen Amtes Bordesholm zum ersten Mal schriftlich erwähnt.  

Von einschneidender Bedeutung für die gesamte Geschichte des Raumes zwischen Neumünster und Kiel sollte sich die Ankunft des Priesters Vicelin im damaligen Gau Faldera erweisen. Durch seine Klostergründung Novum Monasterium und dessen spätere Verlegung auf eine Insel im Eidersteder See, dem heutigen Bordesholmer See, entstanden zwei für die Geschicke des nördlichen Mittelholsteins überaus wichtige Zentren: Neumünster und Bordesholm. Im Gau Faldera hat schon vor dem Eintreffen Vicelins im Jahre 1127 ein Gotteshaus bestanden Trotzdem ließ er eine neue Kirche errichten, die bereits 1136 vollendet war, aber schon 1138 von den Slawen wieder zerstört wurde. Ein abermaliger Neubau konnte ab 1142 genutzt werden. Eingeweiht wurde er allerdings erst 1163 durch Erzbischof Hartwig, der dieser Kirche auch den Namen "Novum Monasterium" gab. 

Vicelin hat ihre Vollendung nicht mehr erlebt. Er starb im Dezember 1154. Aus dem Urkirchspiel Neumünster entwickelten sich später, etwa um 1240, die selbstständigen Kirchspiele Brügge, Flintbek und Kiel. Von weitaus größerer Bedeutung als sein Kirchenneubau im Falderagau war für die zukünftige weltliche Verwaltungsgeschichte des Bordesholmer Raumes die Gründung Vicelins des später von Neumünster nach Bordesholm verlegten Augustiner-Chorherren-Stifts. Vicelin sammelte bald nach seiner Ankunft gleichgesinnte Kanoniker und gründete eine Augustiner-Chorherrenkongregation, mit der er seine Missionsarbeit begann. Sein Werk wurde durch die in jener Zeit beginnende Kolonisation Ostholsteins begünstigt, die eine Befriedung des bisher so unruhigen Landes brachte. Dadurch wurde es Vicelin und seinen Nachfolgern möglich, Filialklöster und Kirchen zu erbauen, von denen aus in wenigen Jahrzehnten das ganze Land bis tief nach Mecklenburg hinein christianisiert wurde. 

Das Mutterstift zu Neumünster aber mehrte durch Schenkungen und Verleihungen seinen Besitz und war bald der reichste Grundherr Holsteins. Ihm gehörten weite Gebiete zwischen dem oberen Eiderlauf und den Elbmarschen. (13) "Da dem Konvent in der Folgezeit die Lage in wirtschaftlicher Hinsicht und aus Gründen mangelnder Ruhe und Sicherheit nicht mehr zusagte, erwarb er 1290 die Erlaubnis zur Umsiedlung auf den sogenannten Holm, ein damals noch als Insel im Eidersteder See gelegenes Land. Der Besitz wurde erst im Jahre 1323 angekauft. An diesem Ort wurde das Stift über einen längeren Zeitraum wieder aufgebaut und erscheint in den Urkunden ab 1336 auch unter der Bezeichnung ‚Conventus monasterii Novimonasterii alias in Bardesholm'. Im Jahre 1332 wurden die Gebeine des 1154 verstorbenen und heiliggesprochenen Klostergründers Vicelin, die bis dahin in der Neumünsterschen Stiftskirche ruhten, in den neuerrichteten Bordesholmer Chor überführt.“ (15)

Marcrad war Overbode des Gaues Holstein. Bei Marcrad von Steenfeld, Toto von Kellinghusen, Rothmar von Hennstedt sowie Alward von Eiderstede handelt es sich um die sogenannten Boden des Holstengaues.(17) Während der Overbode der höchste Repräsentant des Gaues war, vertraten die vier Boden die Gauviertel. Sie hatten u. a. richterliche und militärische Aufgaben zu erfüllen. Eine besondere Bedeutung erhielt Alward von Eiderstede durch die Lage seines Viertels innerhalb des Holstengaues. Dazu bemerkte Walther Lammers: "An die alte Volks- und Gaugrenze gegen Nordosten ist der Bode Aluardus von Eiderstede herangeschoben. Ähnlich wie der Overbode im Falderabezirk ist der Bode von Eiderstede aus einer Grenzsituation gegen die Slawen zu verstehen. 

Nördlich der Einfelder Schanze und unweit von Borgdorf bei Nortorf sicherte er das obere Eidertal und damit den Nordostabschnitt des alten Holstengaues. Er wirkt wie der links anschließende Abschnittskommandant zum Overboden, der die Haupteinfallstraße von Osten in den alten Holstengau bei Neumünster abzuschirmen hatte." (18) Mit Alward von Eiderstede - oder besser: aus Eiderstede, denn es wird sich nicht um einen Adligen im heutigen Sinne gehandelt haben - lernen wir in der Mitte des 12. Jahrhunderts den ersten "Verwaltungsbeamten" der Gegend kennen. Natürlich ist er mit einem Leitenden Verwaltungsbeamten der heutigen Zeit überhaupt nicht zu vergleichen, aber immerhin hatte er verschiedene administrative Aufgaben wahrzunehmen. Wo Alward seinen Sitz gehabt hat, ist nicht bekannt. Der Bordesholmer Heimatforscher Ernst Vehling vermutet, dass er auf einer Burganlage im Bereich der Halbinsel Eckholm auf der Eidersteder Seite des Bordesholmer Sees gesessen haben könnte. Dort gefundene Scherben wurden ins 12. Jahrhundert datiert, also in die Zeit Alwards von Eiderstede.

Die in Ostholstein lebenden Slawen waren in einem letzten Kampf von den sächsischen Holsten endgültig besiegt worden. Kurz danach, ab 1143, begann die Besiedlung des eroberten Slawenlandes mit Kolonisten aus Flandern, Holland, Friesland und Westfalen. Auch im Bereich zwischen Neumünster und Kiel, der weder von Sachsen noch von Slawen besiedelt gewesen war, wurden auf bisher bewaldetem Boden neue Dörfer angelegt. Träger der Kolonisation in unserem Raum war der sich herausbildende holsteinische Adel. Der Raum Neumünster-Kiel war was das Neusiedelgebiet betraf, im wesentlichen in adliger Hand. Das Kloster Neumünster erwarb [später] seinen Grundbesitz in diesem Gebiet von den hier ansässigen Adligen. Im Gegensatz zu gräflichem Besitz ist Grundbesitz in adliger Hand sehr häufig nachweisbar. So hatten die adligen Familien Bissee, Barkau und Schmalstede in zahlreichen Dörfern Besitz an Grund und Boden, neben ihnen unter anderem die Wulf = Pogwisch, v. d. Wisch, Reventlow, Porsvelde, Wahlstorf, Godendorp, Rumohr und Block. In den Händen der adligen Mannschaft des Grafen lag - auf Grund der nachweisbaren grundherrlichen Rechte des Adels im Neusiedelland zwischen Neumünster und der Kieler Förde - die Durchführung der Besiedlung. (20) Aus diesen dorfgründenden Familien ist teilweise - wie z. B. die Rumohrs - der holsteinische Uradel hervorgegangen. 

Einige der Dorfgründer werden mit den anderen Kolonisten in dem neuen Dorf gewohnt haben. Als Siedlungsunternehmer dürften sie eine hervorgehobene Stellung innerhalb der Dorfgemeinschaft gehabt haben. Ihre Privilegien konnten z. B. aus Abgabenminderung, einem besonders großen Landanteil oder Einkünften aus Strafgeldern bestehen. Diese Art von Dorfgründern wird im Laufe der Zeit in den "normalen" Bauernstand zurückgefallen sein. Daneben gab es aber noch eine andere Art von Dorfgründern: der sich herausbildende Adel. Seine Familien haben auf Burgen in näherer oder weiterer Entfernung ihres Dorfes oder ihrer Dörfer gesessen. In unserer Gegend kennen wir derartige Burgen bei Schierensee (22), Voorde (23), Grevenkrug (24) oder Groß Buchwald (25). Auch die oben erwähnte Eidersteder Anlage ist, falls es sich um eine solche gehandelt hat, dazuzuzählen. 

Von diesen Burgen aus wurden die umliegenden Dörfer selbstverständlich auch "verwaltet"; sie dienten also nicht allein militärischen Zwecken. Im Laufe des hohen und späten Mittelalters verkauften, verschenkten und vertauschten die Adligen ihre Dörfer ganz oder in Stücken an das Kloster Neumünster/Bordesholm. Je mehr die Augustiner-Chorherren ihren Landbesitz zwischen Neumünster und Kiel ausdehnen konnten und damit selbst zu Großgrundbesitzern aufstiegen, desto mehr schwand die Macht des Adels in unserem Raum. Seine Burgen verfielen. Schließlich war nahezu der gesamte Bereich um Bordesholm herum in der Hand der Klosterbrüder, die damit zu einer bedeutenden weltlichen Macht geworden waren. Die Verwaltung wurde letztlich auf der Bordesholmer Klosterinsel zentralisiert.

Im hohen und späten Mittelalter gab es im Gebiet zwischen Neumünster und Kiel also zwei Arten von Obrigkeit: die weltliche und die geistliche, die aber selbst auch als weltliche auftreten konnte. Von der Ankunft Vicelins im Falderagau dauerte es "nur" rund 100 Jahre, bis seine Klostergründung über den gesamten Raum zwischen Schwale und Ostsee die geistliche Oberaufsicht errungen hatte. Die Jahreszahlen 1215 (früheste Erwähnung einer Kapelle in Brügge), 1223 (Erlaubnis zum Bau einer Kirche in Flintbek) und 1242 (Erwähnung eines Pfarrers in Kiel) markieren nicht nur den zeitlich-räumlichen Verlauf der Kolonisation von Süden nach Norden, sondern auch Ausbau und Abschluss der Pfarrorganisation zwischen dem Novum Monasterium und der heutigen Landeshauptstadt. (26) Kirche und "Staat“ gingen in diesem Bereich für immer getrennte Wege. Ein paar Beispiele mögen dies verdeutlichen. Als das nach Bordesholm verlegte Kloster im Verlauf des späten Mittelalters sein ziemlich abgerundetes Gebiet im nördlichen Mittelholstein erwarb, waren die (weltlichen) Grenzen der Klosterbesitzungen und die der Kirchspiele niemals identisch. Blumenthal, Dätgen, Loop und Rumohr waren z. B. in Nortorf eingepfarrt, Schierensee in Westensee, Einfeld, Groß- und Kleinharrie sowie Mühbrook in Neumünster. Festzuhalten bleibt, dass in Hinsicht der Verwaltung schon immer eine Trennung zwischen "Staat" und Kirche stattgefunden hat.

Während es nur 100 Jahre dauerte, bis die Kirche die ihr eigene Organisation aufgebaut und abgeschlossen hatte, brauchte das von Neumünster nach Bordesholm verlegte Kloster dagegen 350 Jahre, gerechnet von der Ankunft Vicelins im Falderagau, um den Bereich zwischen Neumünster und Kiel unter seine (weltliche) Herrschaft zu bringen (siehe dazu die farbige Karte auf dem vorderen Vorsatzblatt). Angefangen hatte es mit dem Bau eines Chorherren-Stiftes, dem Novum Monasterium; seinen Abschluss fand diese Entwicklung 1469 durch den Ankauf verschiedener Dörfer im heutigen Amt Molfsee (Blumenthal [z.T.], Rumohr, Schierensee und Sprenge). Dazwischen - etwa um 1330 - verlegten die Augustiner-Chorherren ihr Domizil von Neumünster auf eine Insel namens Bordesholm im damaligen Eidersteder See. 

Ihre Besitzungen erwarben die frommen Männer auf verschiedene Art und Weise. In Frage kamen Kauf, Schenkung und Tausch. Mal gingen Dörfer "im Stück" an die Chorherren, mal waren es nur einzelne Höfe und mal ging etwas verloren, was aber später wieder zurückerworben wurde. Die große Zielrichtung ließen die Mönche aber niemals aus den Augen: den Erwerb eines arrondierten Gebietes um ihre "Zentrale" Bordesholm. Mit wenigen Ausnahmen erreichten sie ihr Ziel durch Beharrlichkeit und Ausdauer. Techelsdorf z. B. ging nie in ihre Hände über und Kleinflintbek konnten sie nur zum Teil an sich bringen. In beiden Dörfern war der unüberwindliche Konkurrent das Kloster Itzehoe. Auch Kleinharrie blieb unter mehreren Grundherrschaften aufgeteilt.

Im Jahre 1296 erwarben die Bordesholmer Chorherren Einfeld als ihre Besitzungen (ohne den Erwerb der Gerichtsbarkeit, des Kirchenzehnten und sonstiger Einnahmen), aus denen nach der Auflösung des Klosters das landesherrliche Amt Bordesholm entstehen sollte. Die Bordesholmer Augustiner-Chorherren besaßen noch weitere Dörfer, Höfe sowie Zehnteinnahmen und Gerichtsbarkeiten in den holsteinischen Elbmarschen und im Raum um Neumünster (z. B. in Arpsdorf, Ehndorf, Padenstedt, Wasbek, Boostedt, Willingrade oder Rendswühren)." (28) Durch ihre Erwerbungspolitik hatten die Chorherren also Besitzungen zusammengetragen, die um Bordesholm herum ein ziemlich abgeschlossenes Gebiet darstellten und sich sonst verstreut von Neumünster bis an die Elbe erstreckten. Dieses alles galt es nun - auf weltliche Art zu verwalten. Immerhin hinterließ das Kloster die ältesten Verwaltungsakten, die aus dem Raum bekannt sind. Zwar sind aus der Zeit vor 1500 mehrere Hundert Urkunden des Klosters Neumünster bzw. Bordesholm erhalten oder anderweitig bekannt (z. B. als Abschrift), aber sie als Verwaltungsakten zu bezeichnen, wäre unpassend. 

Als Verwaltungsakten in diesem Zusammenhang werden solche schriftlichen Aufzeichnungen verstanden, die von einer Obrigkeit ausschließlich zum Zwecke der Verwaltung der ihr untergebenen Untertanen angelegt worden sind. Sehr viele haben sich aus Klosterzeiten zwar nicht erhalten, aber immerhin gibt es u. a. zwei Bede-Register aus den Jahren 1501 und 1504 (29), Aufzeichnungen über den Zehnten aus Techelsdorf zwischen 1558 und 1564 (30) oder ein Fräuleinschatz-Register von 1564(31). Bei den Bede-Registern handelt es sich um Namenslisten der bedepflichtigen Bauern des Klosters Bordesholm. Die Bede, eine Steuer, konnte der Landesherr auf Grund seiner Gerichtshoheit von allen Untertanen erheben lassen. Sie wurde durch das Kloster als ausführende Institution eingetrieben. Der Fräuleinschatz, eine besondere Steuer, diente der Aussteuer einer Fürstentochter. 

Von Anfang an war und ist Bordesholm neben geistlichem Versammlungsort stets Sitz einer weltlichen Verwaltung und die ältesten Verwaltungsakten können jetzt auf ein Alter von einem halben Jahrtausend zurückschauen. Das Kloster Bordesholm hatte in den Jahrzehnten um 1500 seinen kulturellen Höhepunkt erreicht. In diese Zeit fallen z. B. die bekannte Marienklage (entstanden um 1475) von Propst Johannes Reborch und der berühmte Bordesholmer Altar (1514 - 1521) von Meister Hans Brüggemann. Doch schon zu dessen Herstellungszeit brach auf religiösem Gebiet eine neue Epoche an: die Reformation. In der Folgezeit wurden bis auf drei als „Versorgungsanstalten" für unverheiratete Adelstöchter bestehen bleibende Klöster (Itzehoe, Preetz und Uetersen) alle anderen derartigen Konvente in Holstein aufgelöst, darunter auch das Bordesholmer Chorherren-Stift.

Im Jahre 1544 hatte sich der dänische König und Herzog von Schleswig und Holstein, Christian III., die nordelbischen Herzogtümer mit seinen Halbbrüdern Adolf und Johann bzw. Hans geteilt. Hans erhielt u. a. das Kloster Bordesholm zugesprochen. Er war der Reformation gegenüber sehr aufgeschlossen. Deshalb hob er 1566 besagtes Kloster auf und errichtete in seinen Räumlichkeiten ein landesherrliches Gymnasium, wo jugendliche für die herzogliche Verwaltung ausgebildet und/oder auf ein Universitätsstudium vorbereitet wurden. Den Grundbesitz der Chorherren zog Herzog Hans ebenfalls ein und verwandelte die einstigen Klosterbesitzungen in das landesherrliche Amt Bordesholm. Damit änderte sich auch die Verwaltungsstruktur besagten Gebietes. Statt von den Chorherren wurde es nun von landesherrlichen Beamten beaufsichtigt, die wiederum ihrem Herzog verpflichtet waren. Das ehemalige Amt Bordesholm von 1566 bis 1867Die Geschichte des Amtes Bordesholm lässt sich seit 1566 nachverfolgen. Über keine Periode liegen mehr Quellen vor als über die Zeit des herzoglichen Amtes zwischen 1566 und 1867. - Doch sie sind bisher kaum ausgewertet worden. 

Nachdem 1533 König Friedrich 1. von Dänemark, der gleichzeitig Herzog von Schleswig und Holstein war, die Augen für immer geschlossen hatte (und der, bevor er König wurde, eigentlich in seinem schon zu Lebzeiten errichteten Bronzegrabmal in der Bordesholmer Klosterkirche zur letzten Ruhe gebettet werden wollte), folgte ihm sein Sohn Christian III. Christian setzte 1544 auf einem Landtag in Rendsburg eine weitere Teilung der Herzogtümer durch. Seine beiden Halbbrüder Adolf (von Gottorf) und Hans (von Hadersleben) erhielten - berechnet nach der Höhe der Einkünfte - ein Drittel an jedem Herzogtum zugesprochen. Damit gab es drei Landesherren. Das Kloster Bordesholm fiel an Herzog Hans den Älteren, dessen Hauptschloss sich in Hadersleben befand. Dieser 1580 kinderlos gestorbene Landesherr ist für die Bordesholmer Geschichte sehr wichtig, hob er doch 1566 das hiesige Kloster auf und errichtete in dessen Gebäuden ein landesherrliches Gymnasium, aus dem knapp hundert Jahre später die Kieler Universität hervorgehen sollte. 

Ab 1544 gehörte das Kloster also zunächst zum sog. Haderslebener Anteil, über den Herzog Hans gebot. Nach seinem Tod fiel das inzwischen aufgelöste Kloster 1581 an die Gottorfer Linie unter Herzog Adolf. Für die Dörfer, die bis dahin den Augustiner-Chorherren untertan gewesen waren, brach mit der Auflösung des Klosters eine neue Zeit an: Die weltliche Macht hielt Einzug und mit ihr eine neue, landesherrliche Verwaltung. Auch wenn das Kloster Bordesholm ab 1566 de jure nicht mehr bestand, wurde an diesem Begriff zunächst festgehalten. Ein wohl 1576 erstelltes Güterverzeichnis trägt z.B. den Titel "Vortekenisse der Dörper, Güder, vnd der Lüde, thom Closter Bordessholm gehörig."(34) Wann genau dieses Gebiet die Bezeichnung "Amt Bordesholm" erhalten hat, ist unbekannt. Eine Art Dekret, diese Bezeichnung statt "Kloster Bordesholm" zu benutzen, gibt es nämlich nicht. Man kann nur sagen, dass in den erhaltenen Schriftquellen vom Ende des 16. Jahrhunderts bzw. vom Beginn des 17. Jahrhunderts das "Kloster" durch das "Amt" ersetzt wurde. Das Amt Bordesholm umfasste ursprünglich folgende 27 Dörfer: Bissee, Blumenthal, Böhnhusen, Brügge, Dätgen, Eiderstede, Einfeld, Fiefharrie, Grevenkrug, Groß Buchwald, Großflintbek, Großharrie, Kleinflintbek (z.T.), Kleinharrie (z.T.), Loop, Mielkendorf, Molfsee, Mühbrook, Negenharrie, Reesdorf, Rumohr, Schierensee, Schmalstede, Schönbek, Sören, Voorde und Wattenbek. Außerdem gehörten Bordesholm mit dem Hoffeld sowie die Meierhöfe Schönhorst und Sprenge (bei Rotenhahn), der Hof Schulenhof sowie das sog. Ländchen Sachsenbande, gelegen in der Wistermarsch, zum Amt. 

1696 kam als weiterer Meierhof Rumohrhütten hinzu, der aus einer stillgelegten Glasmachersiedlung hervorgegangen ist. Das Bordesholmer Hoffeld, die Meierhöfe und der Schulenhof wurden ähnlich wie Güter bewirtschaftet, ohne dass sich jedoch eine Leibeigenschaft im Amt Bordesholm herausbildete. Das Hoffeld z. B. wurde von in Bordesholm lebendem Gesinde sowie von den hand- und spanndienstpflichtigen Untertanen aus den Dörfern bewirtschaftet. Ähnlich sah es in Sprenge aus: Hier hatten die Rumohrer und Mielkendorfer Dienste zu leisten. (35) In den 1730er Jahren wurde diese Form der Bewirtschaftung aufgegeben. Bordesholm nebst dem Hoffeld, Rumohrhütten und Sprenge wurden parzelliert und die einzelnen Landstücke in Erbpacht ausgegeben. (36) Nur Schönhorst wurde zunächst unzerteilt vererbpachtet. (37) Seit dieser Zeit bilden diese Gebiete sogenannte Erbpachtdistrikte, die eine andere rechtliche Stellung als die 27 Dorfschaften besaßen. Nur der Schulenhof blieb bis weit ins 20. Jahrhundert hinein als Hof bestehen. Anzufügen bleibt nur noch eine geringfügige Vergrößerung des Amtes Bordesholm im Jahre 1771. Damals wurden drei Hufen in Kleinharrie, die bis dahin dem Amt Neumünster unterstanden, diesem abgenommen und dem Amt Bordesholm unterstellt. (38)

Fußnoten: (Nummerierung der Fußnoten entspricht der in Hildebrandt, Unser Amt Bordesholm-Land, Bordesholm 2000)
(3)  Albert Genrich: Die Altsachsen, Hildesheim 1981 (Genrich 1981). 
(4) Siehe dazu: Hilke Elisabeth Saggau: Bordesholm. Der Urnenfriedhof am Brautberg bei Bordesholm in Holstein. Teil 1: Text und Karten, Neumünster 1986 (Saggau 1986)
und M.-J. Bode: Schmalstede. Ein Urnengräberfeld der Kaiser- und Völkerwanderungszeit. Neumünster 1998 (Bode 1998).          
(5) Wolfgang Bauch: Die Gemeinde Molfsee aus archäologischer Sicht. In: Jahresblätter des Kommunalvereins Schulensee-Rammsee-Molfsee 1978/79, S. 38 - 55.
(6) Siehe dazu Eike Benesch: Der Isarnho, in: Jahrbuch für das ehemalige Amt Bordesholm, 1. Jahrgang 1999, S. 59 - 93.                         
(7) Man muss stets zwischen dem früh- und hochmittelalterlichen Begriff “Holstein” (im wesentlichen die Geestbereiche des jetzigen Kreises Steinburg und des Altkreises
Rendsburg) und dem heutigen (derjenige Landesteil Schleswig-Holsteins, der südlich der Eider und der [ehemaligen] Levensau unterscheiden.
(8) Frauke Hildebrandt: Chronik der Gemeinde Dätgen 1243 - 1993, Dätgen 1993 (Hildebrandt 1993a) S. 9ff. besonders S. 17.
(9) Siehe dazu Walther Lammers: Germanen und Slawen in Nordalbingien, in: Zeitschrift der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte ZSHG, Bd. 79 (1955), S.
17 - 76 (Lammers 1955).
(10) Wolfgang Laur: Historisches Ortsnamenverzeichnis von Schleswig-Holstein, zweite, völlig veränderte und erweiterte Auflage. Neumünster 1992 (Laur 1992), S. 457f. und
S. 640. 
(11) Bei der Ersterwähnung eines Dorfes muss stets bedacht werden, dass daraus nicht auf das Gründungsjahr geschlossen werden darf. Es gibt mit Sicherheit Orte in
Holstein, die mehr als tausend Jahre älter sind als ihre früheste Erwähnung. Die Jahreszahlen in der Tabelle wurden Laur 1992 entnommen.                                  
(13) Rudolf Ullemeyer, wann war was? Zeittafel zur Geschichte Neumünsters mit Leittexten und Bibliographie 1127 - 1976, Zweite Auflage, Neumünster 1976 (Ullemeyer
1976), S. 9.              
(15) Ingeborg Kähler: Der Bordesholmer Altar. Zeichen in einer Krise. Ein Kunstwerk zwischen kirchlicher Tradition und humanistischer Gedankenwelt am Ausgang des
Mittelalters. Neumünster 1981 (Kähler 1981), S. 1
(17) W. Lammers: Das Hochmittelalter bis zur Schlacht von Bornhöved. Geschichte Schleswig-Holsteins. Band 4, Neumünster 1981 (Lammers 1981), S. 58ff.             
(18) Lammers 1981, S. 62.
(20) Ulrich Lange: Grundlagen des Landesherrschaft der Schauenburger in Holstein, Teil 2. In: ZSHG, Band 100 (1975), S. 83 - 160 (Lange 1975), S. 100f.  
(22) Winfried Sarnow: Schierensee, Chronik eines Dorfes, Neumünster o.J. (Sarnow o.J.), S. 9ff.
(23) Frauke Hildebrandt: Flintbek. Groß Flintbek-Voorde-Kleinflintbek. Flintbek 1988 (Hildebrandt 1988), S. 20ff.
(24) Hartmut Hildebrandt, Grevenkrug im Mittelalter, in: Ingrid Hoppe: Chronik von Grevenkrug, Grevenkrug 2003
(25) Hartmut Hildebrandt: Chronik von Groß Buchwald, Groß Buchwald 1998 (Hildebrandt 1998), S. 29ff.
(26) Karl-Heinz Gaasch: Die mittelalterliche Pfarrorganisation in Dithmarschen, Holstein und Stormarn (KapitelII), in: ZSHG, Band 77 (1953), S. 1 - 96 (Gaasch 1953), S. 23
ff.    
(27) Nach Jens Erichsen: Die Besitzungen des Klosters Neumünster von seiner Verlegung nach Bordesholm bis zu seiner Einziehung, in: ZSHG, Band 30 (1900), S. 1 - 167
(Erichsen 1900), S. 88f. und S. 144ff. Die obige Tabelle stellt eine Mischung aus beiden Übersichten Erichsens dar. Deshalb unterscheiden sich die hier angegebenen
Jahreszahlen teilweise von der einen oder anderen Tabelle Erichsens.  
(28) Siehe dazu Erichsen 1900, Farbkarte im Anhang.
(29) Schleswig-Holsteinisches Landesarchiv (LAS), Abt. 1 Nr. 4.
(30) LAS, Abt. 7, Nr. 3780.
(31) LAS, Abt. 7, Nr. 3782.
(34) LAS, Abt. 7, Nr. 3784.
(35) Jürgen Lehmann und Hartmut Hildebrandt: Das alte Rumohr II. Die Anfänge von Sprenge, Rothenhahn, Rumohrhütten. Rotenhahn 1980 (Lehmann/Hildebrandt 1980), S.
35 und LAS, Abt. 7, Nr. 3867.
(36) Wolfgang Prange: Die Anfänge der großen Agrarreformen in Schleswig-Holstein bis 1771. Neumünster 1971 (Prange 1971), S. 300ff.               
(37) Prange 1971, S. 303. Parzelliert wurde Schönhorst erst 1786 (siehe Eggers 1996, S. 31).
(38) LAS, Abt. 8.2, Nr. 597.

Quelle: Auszüge aus den Veröffentlichungen des Geschichtsverein für das ehemalige Amt Bordesholm e.V.