Einfelder Schanze(n)

Zu den Einfelder Schanzen wird  Konrektor Paul Elwert mit dem Thema "Aus der geschichtlichen Entwicklung Einfelds" zitiert. Dieser Bericht wurde veröffentlicht in der Festschrift zur Einweihung der Mehrzweckhalle am 24. August 1956 mit dem Titel "Einfeld. Vom Bauernhof zur Großgemeinde" und wird hier in Auszügen wiedergegeben.

Auf dem Geeststreifen zwischen dem Dosenmoor und dem bis zum Südufer des Einfelder Sees reichenden Wald fanden unsere Vorfahren einen günstigen Siedlungsplatz. Die Zeit der Gründung lässt sich nicht mit Sicherheit feststellen. Zahlreiche Urnenfunde, Waffen und Werkzeuge aus Stein deuten auf eine Besiedlung seit der jüngeren Steinzeit hin. Die Fundgebiete befinden sich im alten Dorfkern bis zum Krückenkrug reichend und auf den Hahnenkampkoppeln. Funde auf einem Sandhügel im Dosenmoor lassen ebenfalls auf eine Siedlung schließen. Systematische Untersuchungen haben bisher nicht stattgefunden. Lediglich über die Ausgrabung der Einfelder Schanze liegt ein ausführlicher Bericht vor. 

Als Einfelder Schanze wird heute allgemein die Siedlung in der Niederung an der Kieler Chaussee bei der Gastwirtschaft „Zur alten Schanze“ bezeichnet. Da zu Verschanzungen aber immer die höchsten und günstigsten Stellen gewählt worden sind, so werden wir auch hier weiter südlich, an der höchsten und engsten Stelle zwischen dem See und dem Dosenmoor, die Verteidigungsanlage zu suchen haben. Die Schanze bestand vor etwa 150 Jahren noch aus zwei 16 m voneinander entfernt liegenden und parallellaufenden Wällen von einer Länge von 40 m und einer Höhe von 4,50 m. Weiter lagen noch zwei kleinere Wälle von reichlich 1 m Höhe im rechten Winkel zu den beiden Hauptwällen. An beiden Außenseiten waren noch Gräben von 5 m Breite erkennbar. Das Alter der Schanze steht nicht einwandfrei fest, infolgedessen auch nicht, wer hier gegeneinander gekämpft hat. Pastor Kruse, ein bekannter Geschichtsforscher in Neumünster, der aus alten Büchern und schriftlichen Aufzeichnungen erfahren hatte, dass hier ein großer Schatz vergraben sei, wählte nun diesen Platz zu seinem Spezialstudium. Er war seiner Sache so sicher, dass er die Einwohner in Einfeld und Tungendorf bewog, Nachgrabungen anzustellen. 

Das Geld, das man finden würde, war schon im Voraus zum Neubau einer Kirche bestimmt. Einen ausführlichen Bericht über die Durchgrabung dieser Schanze sowie des umliegenden Hügellandes hat Pastor Kruse unter dem 25. April 1817 an die Regierung in Kopenhagen (Kop. Akt. IX. 120/a) eingereicht. Hiernach war die ganze Gegend nördlich und südlich der Schanze „mit Leichenhügeln gleichsam wie besäet“. Jedoch war kein einziger Steinkreis mehr vorhanden. Vermutlich sind die Steine für die benachbarten Kirchenbauten oder auch als Mauerunterlagen für die Bauernhäuser benutzt worden. Die meisten Grabungen nahm Lehrer Bracker unter Mithilfe der Einfelder Knechte vor. Er fand nur einige Urnen, Ringe und verbrannte Knochen. 

Dem Gastwirt von der heutigen Gastwirtschaft an der Schanze gelang es, ein Massengrab freizulegen. Die menschlichen Skelette, von denen noch drei vollständig erhaltene Köpfe hatten, lagen in mehreren Schichten übereinander. Die wertvollste Entdeckung machte der Hufner Rixen südlich der Schanze, unmittelbar an der Straße. Nach Entfernung verschiedener nur etwa 30 cm tiefliegender Urnen legte er ein großes Gewölbe von 4 m Länge und 2 m Höhe frei. Die Wände bestanden aus acht großen nach der Innenseite geglätteten Feldsteinen. Ein vor die Öffnung gelegter Stein von halber Höhe bildete die Tür. Zwei riesige Steine von 3 m Länge und der beträchtlichen Dicke von 1,50 m dienten als Deckel. Auf dem gepflasterten Boden des Gewölbes fand man das Skelett eines ungewöhnlich großen Menschen. Das Gesicht zeigte gen Norden. Zu Füßen lagen zwei Streitäxte von besonders schöner Politur. Trotz der Bemühungen des Pastors Kruse und der Anordnung des Amtswalters von Bordesholm, diese Gewölbe der Nachwelt zu erhalten, sind doch bald die Steine gespalten und für Bauzwecke benutzt worden. 

Die Margarethen-Schanze am südwestlichen Ufer des Einfelder Sees ist geschichtlich bedeutend wertvoller. Sie bildet einen nach Osten offenen Halbkreis von 90 m Durchmesser. Die hohen Wälle sind mit Bäumen und Busch bestanden, die der Anlage einen besonderen landschaftlichen Reiz verleihen. Vor 30 Jahren war man sich über die Anlage noch völlig im Unklaren. Erichsen berichtet in seiner „Topographie des Landkreises Kiel“, dass die Schanzen im Jahre 1627 von den Schweden aufgeworfen seien. Erst bei der Erforschung des karolingischen Limes in den zwanziger Jahren erweckte bei einer Geländebesichtigung die Anlage das Interesse berufener Stellen, da sie den Charakter einer altgermanischen Burganlage zeigte. Der Wehranlagenforscher Prof. Dr. Hofmeister, Hannover, führte in Verbindung mit dem Museum Vaterländischer Altertümer die ersten Untersuchungen im Herbst 1925 durch. 

Zwei Jahre später fand eine weitere Erforschung durch den Leiter der Archäologischen Landesaufnahme, Dr. Tode, statt. Beide Grabungen ergaben durch keramische und andere Funde einwandfrei, dass es sich um eine sächsische Burganlage aus dem 9. oder 10. Jahrhundert handelt. In „Die Heimat“, Jahrgang 1950, schreibt Dr. Hingst vom Landesamt für Vor- und Frühgeschichte, dass die Einfelder und die Wittorfer Burg Glieder in einer Kette von Befestigungsanlagen waren. Sie lagen einige Kilometer entfernt von allen Verkehrswegen in versteckter und schwer zugänglicher Lage und stellten Eckpfeiler in der Verteidigungslinie im Hinterland des Limes Saxoniae dar. Deshalb wäre es wünschenswert, wenn das Landesamt für Vor- und Frühgeschichte in nächster Zeit ihr Interesse der Einfelder Burg widmen möchte, um durch eine dritte Untersuchung endgültig Positives zu erzielen und zum andern Dr. Hingsts Ergebnisse in Wittorf zu bekräftigen. 

Auf Anregung des Vereins für Heimatschutz und bildende Kunst für Neumünster und den Kreis Bordesholm kauften der damalige Kreis Bordesholm und die Gemeinde Einfeld im Jahre 1928 das Gelände der Einfelder Burg, um es laut Vereinbarung der Nachwelt im natürlichen Zustand zu erhalten. Im Jahre 1939 verzichtete der Kreis Rendsburg auf seinen Anteil, so dass nunmehr die Gemeinde Einfeld alleinige Besitzerin ist.

Die Einfelder Schanze als schmaler Pfad für Straße und Eisenbahn zwischen dem Dosenmoor und Einfelder See. Klick-Bild

Die Einfelder Gastwirtschaft "Zur alten Schanze" (Foto: Archiv Schiffmann) wurde 1724 erbaut und trägt heute, nach einigen Umbauten, den Namen "Schanze am See". Klick-Bild

Die Einfelder Schanze zwischen Moor und See als Straße mit Alleebäumen. Früher als Teil der B 4 bekannt, heute nur "eine" L 318.


Das Hinweisschild zur Margarethenschanze am Einfelder See.


Das Luftbild läßt  den Umriss der Burganlage "Margarethenschanze" am südwestlichen Ufer erkennen. Klick-Bild